Veröffentlicht am März 11, 2024

Entgegen der landläufigen Meinung ist nicht alles Obst automatisch gesund, insbesondere wenn Sie bereits erhöhte Blutfettwerte oder eine Fettleber haben.

  • Die Leber verstoffwechselt Fruchtzucker (Fruktose) direkt zu Fett (Triglyceriden), was das gefährliche Bauchfett fördert.
  • Verarbeitetes Obst wie Säfte und Trockenfrüchte wirken durch den konzentrierten Zucker ohne Ballaststoffe wie eine flüssige Zuckerbombe.

Empfehlung: Bevorzugen Sie ballaststoffreiche Beeren, kombinieren Sie Obst immer mit Proteinen oder Fetten (z.B. Quark, Nüsse) und wählen Sie reife, alte Sorten statt moderner Züchtungen.

Sie halten sich für gesundheitsbewusst. Auf Ihrem Speiseplan stehen täglich Äpfel, Bananen und vielleicht ein Glas frisch gepresster Orangensaft zum Frühstück. Sie meiden Fast Food und Limonaden. Trotzdem zeigen Ihre Blutwerte hartnäckig erhöhte Triglyceride, Ihr Arzt deutet eine beginnende Fettleber an und das hartnäckige Fett am Bauch will einfach nicht weichen. Diese Frustration ist weit verbreitet und wurzelt in einem fundamentalen Missverständnis unserer modernen Ernährung.

Die allgemeine Annahme lautet: Obst ist ein Naturprodukt, reich an Vitaminen und daher uneingeschränkt gut für uns. Dieser Gedanke ist jedoch eine gefährliche Halbwahrheit. Als Ernährungsmediziner mit Schwerpunkt auf Lebererkrankungen sehe ich täglich die Folgen eines unkritischen Obstkonsums. Das Problem ist nicht die Frucht an sich, sondern der isolierte Fruchtzucker (Fruktose), seine Konzentration in verarbeiteten Produkten und die Art, wie unser Körper ihn verstoffwechselt. Die Vorstellung, dass eine Banane immer besser ist als ein Schokoriegel, muss differenziert werden.

Doch was, wenn die wahre Ursache für Ihre stagnierenden Gesundheitswerte nicht in einem Mangel an Disziplin liegt, sondern in der Auswahl und Kombination Ihrer „gesunden“ Lebensmittel? Was, wenn das Glas Orangensaft am Morgen metabolisch kaum von einer Cola zu unterscheiden ist? Dieser Artikel bricht mit dem Mythos des uneingeschränkt gesunden Obstes. Er erklärt die biochemischen Mechanismen, wie Fruktose direkt zu Leberfett und Gefässschäden führen kann und zeigt Ihnen einen wissenschaftlich fundierten Weg auf, wie Sie Obst wieder zu einem echten Verbündeten für Ihre Gesundheit machen – durch die richtige Auswahl, Kombination und das Verständnis für Qualität.

Wir werden die biochemischen Hintergründe beleuchten, die fatalen Unterschiede zwischen verschiedenen Obstsorten und Verarbeitungsformen aufzeigen und Ihnen konkrete, alltagstaugliche Strategien an die Hand geben. So können Sie die Vorteile von Obst nutzen, ohne unwissentlich Ihre Leber und Gefässe zu belasten.

Der Zusammenhang zwischen Obstkonsum, Gicht und Bluthochdruck

Viele Menschen sind überrascht, wenn sie hören, dass ihr vermeintlich gesunder, hoher Obstkonsum direkt mit Stoffwechselerkrankungen wie Gicht oder Bluthochdruck in Verbindung stehen kann. Der Schuldige ist die Fruktose. Im Gegensatz zu Glukose, die von fast jeder Zelle im Körper als Energie genutzt werden kann, wird Fruktose fast ausschliesslich in der Leber verstoffwechselt. Wenn die Leber mit einer grossen Menge Fruktose überflutet wird – etwa durch einen grossen Obstsalat aus sehr süssen Früchten – kann sie diese nicht vollständig zur Energiegewinnung nutzen. Ein wesentlicher Teil wird über einen Prozess namens De-novo-Lipogenese in Fett (Triglyceride) umgewandelt. Ein Nebenprodukt dieses Stoffwechselwegs ist Harnsäure.

Ein chronisch erhöhter Harnsäurespiegel ist die Hauptursache für Gicht, da die Säure in den Gelenken auskristallisieren und schmerzhafte Entzündungen verursachen kann. Gleichzeitig kann ein hoher Harnsäurespiegel die Funktion der Gefässinnenwände (Endothel) stören und so zur Entstehung von Bluthochdruck beitragen. Das Problem ist die Dosis: Während die Fruktose aus einem einzelnen Apfel unproblematisch ist, kann die Menge schnell eskalieren. Insbesondere süsse Obstsorten sind hier relevant. Weintrauben und Birnen gehören zu den fruktose-reichsten Früchten und können das Problem verschärfen.

Die folgende Tabelle zeigt den Fruktosegehalt einiger beliebter Obstsorten und hilft bei der Einordnung des Risikos.

Fruktosegehalt beliebter Obstsorten
Obstsorte Fruktosegehalt pro 100g Risikostufe
Weintrauben 7,6g Hoch
Birne 6,75g Hoch
Apfel 5,7g Mittel
Banane ca. 5g Mittel
Orange 2,9g Niedrig

Für Menschen mit einer Veranlagung zu Gicht oder Bluthochdruck ist es daher entscheidend, nicht nur auf purinreiche Lebensmittel wie Fleisch zu achten, sondern auch den Konsum von fruktosereichem Obst und insbesondere Fruchtsäften kritisch zu hinterfragen. Der Fokus sollte auf fruktosearmen Sorten und einer moderaten Gesamtmenge liegen.

Beeren vs. Trockenobst: Welches Obst lässt Ihr Insulin (und damit die Entzündung) in Ruhe?

Nicht jede Frucht ist gleich, wenn es um die Reaktion unseres Stoffwechsels geht. Ein entscheidender Faktor ist die sogenannte „Nährstoffmatrix“ – also die Gesamtheit aus Zucker, Ballaststoffen, Wasser und Mikronährstoffen. Trockenobst ist hierfür das perfekte Negativbeispiel. Durch den Entzug von Wasser wird der Zucker extrem konzentriert. Eine kleine Handvoll Rosinen enthält so die Fruktosemenge von einer grossen Traubenrispe, jedoch ohne das sättigende Volumen und Wasser. So sind beispielsweise in 100 Gramm Rosinen fast 32 Gramm Fruchtzucker enthalten, während die gleiche Menge frischer Weintrauben nur etwa 7,6 Gramm aufweist.

Diese konzentrierte Fruktoseladung trifft ohne die bremsende Wirkung von Wasser und einem hohen Ballaststoffanteil auf die Leber. Die Folge ist nicht nur eine massive Anregung der Fettproduktion, sondern auch eine starke Insulinausschüttung, die chronische Entzündungsprozesse im Körper fördert. Trockenfrüchte sind aus metabolischer Sicht daher eher eine Süssigkeit als eine gesunde Obstportion.

Das genaue Gegenteil stellen Beerenfrüchte wie Heidelbeeren, Himbeeren oder Erdbeeren dar. Sie zeichnen sich durch drei entscheidende Vorteile aus:

  • Niedriger Fruktosegehalt: Im Vergleich zu vielen anderen Obstsorten enthalten sie von Natur aus weniger Zucker.
  • Hoher Ballaststoffanteil: Die vielen kleinen Kerne und die feste Schale verlangsamen die Zuckeraufnahme im Darm erheblich.
  • Hohe Dichte an Polyphenolen: Diese sekundären Pflanzenstoffe haben antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften, die den negativen Effekten des Zuckers entgegenwirken können.
Makroaufnahme von frischen Heidelbeeren neben getrockneten Rosinen mit sichtbarer Textur

Die visuelle Gegenüberstellung von frischen, prallen Beeren und den schrumpeligen, zuckerkonzentrierten Trockenfrüchten macht den Unterschied deutlich. Für eine stabile Blutzucker- und Insulinreaktion sind Beeren daher die klar überlegene Wahl. Sie liefern Vitamine und Antioxidantien, ohne den Stoffwechsel zu überfordern.

Wer also auf seine Lebergesundheit und stabile Energielevel achten möchte, sollte Trockenobst meiden oder nur in Kleinstmengen als Gewürz verwenden und stattdessen täglich zu einer Handvoll frischer oder gefrorener Beeren greifen.

Warum das Glas Orangensaft am Morgen so schädlich ist wie eine Cola

Das Bild vom Glas frisch gepressten Orangensaft als Inbegriff eines gesunden Frühstücks ist tief in unserer Kultur verankert. Aus metabolischer Sicht ist dieses Ritual jedoch ein Desaster, das in seiner Wirkung auf die Leber erschreckend nah an den Konsum einer gezuckerten Limonade herankommt. Der Grund liegt in der Verarbeitung: Beim Pressen einer Orange werden die Ballaststoffe, das Fruchtfleisch, vollständig entfernt. Übrig bleibt eine Lösung aus Zucker (Fruktose und Glukose) in Wasser.

Ohne die Ballaststoffe, die im Darm als Bremse wirken würden, schiesst dieser Zucker ungehindert ins Blut und überflutet die Leber. Für den Körper macht es kaum einen Unterschied, ob die Fruktose aus einer Orange oder aus industriellem Maissirup stammt, wenn sie in dieser isolierten, flüssigen Form ankommt. Ein einziges Glas Apfelsaft (250 ml) enthält bereits rund 25 Gramm Zucker, davon einen Grossteil Fruktose. Damit ist die von vielen Experten empfohlene maximale Tagesdosis an zugesetztem Zucker bereits mit einem einzigen Glas erreicht.

Die Diätologin Carina Hofer vom Ordensklinikum Linz fasst die Konsequenzen prägnant zusammen:

Zu viel Fruchtzucker kann vom Körper nicht verwertet werden und führt oft zu Verdauungsbeschwerden und im schlimmsten Fall sogar zu einer Fettleber, weil die überschüssige Fructose sich als Fett in die Leber einlagert.

– Carina Hofer, BSc, Diätologin am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern

Die ganze Frucht hingegen ist ein völlig anderes Lebensmittel. Das Kauen signalisiert dem Körper die Nahrungsaufnahme, und die Ballaststoffe im Fruchtfleisch bilden im Magen ein Gel, das die Entleerung des Magens verlangsamt. Der Zucker gelangt so nur langsam und dosiert in den Dünndarm und von dort zur Leber. Diesen fundamentalen Unterschied ignoriert die Werbung für Säfte konsequent.

Ersetzen Sie daher das Glas Saft am Morgen konsequent durch Wasser oder ungesüssten Tee und essen Sie stattdessen eine ganze Orange oder eine Handvoll Beeren. Ihr Stoffwechsel wird es Ihnen danken.

Reif geerntet oder nachgereift: Hat Lagerobst weniger herzschützende Polyphenole?

Bei der Beurteilung von Obst geht es nicht nur um den Zuckergehalt, sondern auch um die Dichte an schützenden Mikronährstoffen. Hier spielen Polyphenole eine entscheidende Rolle. Das sind sekundäre Pflanzenstoffe, die der Frucht Farbe, Geschmack und Aroma verleihen, aber vor allem als Antioxidantien wirken und die Pflanze vor Schädlingen und UV-Strahlung schützen. In unserem Körper haben sie eine ähnliche Schutzfunktion für unsere Zellen und Gefässe. Der Gehalt dieser wertvollen Stoffe hängt jedoch massiv von der Sorte und dem Reifegrad bei der Ernte ab.

Moderne Supermarkt-Äpfel wie Gala oder Pink Lady werden oft unreif geerntet, damit sie transport- und lagerfähig sind. Sie werden auf Optik und Süsse gezüchtet, nicht auf ihren Nährstoffgehalt. Alte, traditionelle Apfelsorten, die direkt am Baum ausreifen durften, weisen eine deutlich höhere Polyphenol-Dichte auf. Diese Stoffe sind oft für einen leicht herben oder säuerlichen Geschmack verantwortlich, der bei modernen Sorten weggezüchtet wurde.

Fallbeispiel: Polyphenolgehalt alter vs. neuer Apfelsorten

Eine Studie des Allergiezentrums der Berliner Charité in Kooperation mit dem BUND hat den Polyphenolgehalt verschiedener Apfelsorten verglichen. Das Ergebnis ist eindrücklich: Alte Sorten wie die ‚Renette aus Damason‘ hatten einen achtfach höheren Polyphenol-Wert als der weit verbreitete Supermarktapfel ‚Gala‘. Der regelmässige Konsum dieser alten, polyphenolreichen Sorten konnte bei Studienteilnehmern sogar Heuschnupfen-Symptome lindern, was ihre starke anti-entzündliche Wirkung unterstreicht.

Das bedeutet: Ein Apfel ist nicht gleich ein Apfel. Ein reif geernteter, alter Boskoop-Apfel liefert ein Vielfaches an schützenden Substanzen, die helfen können, die negativen Effekte der enthaltenen Fruktose zu puffern. Ein unreif geernteter, auf Süsse optimierter Lagerapfel ist hingegen primär eine Quelle von Zucker. Die Suche nach qualitativ hochwertigem Obst lohnt sich also.

Ihr Aktionsplan: Bezugsquellen für reifes Obst in Deutschland finden

  1. Wochenmärkte besuchen: Fragen Sie gezielt nach saisonalen und regionalen Obstsorten, die voll ausreifen durften.
  2. Selbstpflückfelder nutzen: Hier haben Sie die Garantie, dass die Früchte erst bei optimaler Reife vom Baum oder Strauch kommen.
  3. Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) unterstützen: Treten Sie einer lokalen Initiative bei, die oft Wert auf alte Sorten und nachhaltigen Anbau legt.
  4. Hofläden aufsuchen: Kaufen Sie direkt beim Erzeuger, um die Transportwege kurz und die Reife optimal zu halten.
  5. Auf alte Sorten setzen: Halten Sie Ausschau nach Sorten wie Boskoop, Gravensteiner oder Renette anstelle von Standard-Supermarktware wie Pink Lady oder Gala.

Die Investition in Qualitätsobst von lokalen Erzeugern ist somit eine direkte Investition in Ihre Gefäss- und Lebergesundheit. Sie erhalten weniger reinen Zucker und mehr schützende Polyphenole.

Wie Sie Obst richtig kombinieren, um Blutzuckerspitzen zu vermeiden (Nüsse & Quark)

Selbst wenn Sie sich für eine fruktosearme und ballaststoffreiche Obstsorte entschieden haben, gibt es einen weiteren entscheidenden Trick, um die metabolische Belastung zu minimieren: die richtige Kombination. Obst solo auf leeren Magen zu essen, führt zur schnellsten Aufnahme des Zuckers. Das Ziel muss es sein, die Verweildauer der Mahlzeit im Magen zu verlängern und so die Aufnahme des Zuckers im Dünndarm zu verlangsamen. Dies erreichen Sie, indem Sie Obst immer zusammen mit Proteinen und gesunden Fetten essen.

Proteine und Fette sind für den Körper komplexer zu verdauen. Sie sorgen dafür, dass der Mageninhalt nur nach und nach in den Dünndarm abgegeben wird. Dadurch wird die Leber nicht mit einer plötzlichen Fruktosewelle konfrontiert, sondern erhält den Zucker in kleinen, gut handhabbaren Portionen. Laut dem österreichischen Gesundheitsportal gesundheit.gv.at, das sich auf Daten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung stützt, gilt: Je länger das Essen im Magen bleibt, desto besser ist die Fruktose verträglich und desto geringer die Belastung für die Leber.

In der Praxis ist die Umsetzung denkbar einfach. Hier sind einige bewährte Kombinationen:

  • Apfelschnitze mit einer Handvoll Nüssen oder Mandeln: Die Fette und Proteine in den Nüssen bremsen die Zuckeraufnahme.
  • Beeren mit einem Löffel Quark oder griechischem Joghurt: Das Milcheiweiss (Kasein) im Quark wird besonders langsam verdaut und sorgt für eine langanhaltende Sättigung und einen stabilen Blutzuckerspiegel.
  • Bananenscheiben mit Nussmus: Ein dünner Aufstrich aus Mandel- oder Erdnussmus auf Bananenscheiben liefert Fette, die die schnelle Zuckerfreisetzung der Banane abfedern.

Für viele Menschen mit einer leichten Fruktoseintoleranz erhöht sich die Verträglichkeit von Obst durch solche Kombinationen erheblich. Es ist ein einfaches Prinzip mit grosser Wirkung: Verwandeln Sie Obst von einem schnellen „Snack“ in einen Bestandteil einer vollwertigen, ausgewogenen Mahlzeit. So profitieren Sie von den Vitaminen und Ballaststoffen, ohne Ihren Stoffwechsel zu überlasten.

Dieser simple Strategiewechsel – Obst nie allein zu essen – kann einen signifikanten Unterschied für Ihre Blutfettwerte, Ihr Energielevel und Ihre Lebergesundheit machen.

Nicht nur Fett verstopft Adern: Wie Zucker mikroskopische Risse in Gefässen verursacht

Die Vorstellung von verstopften Arterien wird meist mit Fett und Cholesterin assoziiert. Doch ein viel subtilerer und vielleicht gefährlicherer Prozess wird durch Zucker, insbesondere Fruktose, ausgelöst: die Glykierung. Man kann sich diesen Prozess wie eine langsame „Karamellisierung“ von körpereigenen Strukturen vorstellen. Zuckermoleküle heften sich dabei ohne die Hilfe von Enzymen an Proteine und Fette im Körper und schädigen diese dauerhaft. Das Ergebnis sind sogenannte „Advanced Glycation End-products“ (AGEs).

Diese AGEs sind steife, dysfunktionale Moleküle, die sich im Gewebe ablagern. Besonders betroffen sind die elastischen Kollagen- und Elastinfasern in den Wänden unserer Blutgefässe. Durch die Anlagerung der AGEs werden die Gefässwände steif, spröde und unelastisch. Es entstehen quasi mikroskopische Risse und Entzündungsherde. Der Körper reagiert auf diese Schäden, indem er Cholesterin (insbesondere LDL-Partikel) zur „Reparatur“ an diese Stellen schickt. Die eigentliche Ursache der Plaque-Bildung ist also oft nicht das Cholesterin selbst, sondern die durch Zucker verursachte initiale Schädigung der Gefässwand.

Hier kommt die besondere Gefährlichkeit der Fruktose ins Spiel. Studien zeigen, dass Fruktose etwa 10-mal reaktiver ist als Glukose bei der Bildung dieser schädlichen AGEs. Ein hoher Fruktosekonsum beschleunigt die „Verzuckerung“ und damit die Alterung unserer Gefässe also um ein Vielfaches.

Abstrakte Darstellung von Gefässwänden mit kristallinen Strukturen die Glykierungsprozesse symbolisieren

Die abstrakte Darstellung zeigt, wie sich kristalline, schädliche Strukturen an den glatten Gefässwänden bilden. Dieser Prozess findet still und leise über Jahre statt und ist die Grundlage für Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall. Ein hoher Konsum von Fruchtsäften, Trockenobst und sehr süssen Früchten ist somit ein direkter Angriff auf die Integrität unserer Blutgefässe.

Die Reduzierung von schnell verfügbarer Fruktose ist daher eine der effektivsten Massnahmen, um die Elastizität der Gefässe zu erhalten und das Herz-Kreislauf-System langfristig zu schützen.

Kraftstoffwechsel: Können wir dem Herzen beibringen, effizienter Energie zu verbrennen?

Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass unser Körper und insbesondere das Herz primär auf Zucker (Glukose) als Energiequelle angewiesen sind. In Wahrheit ist unser Stoffwechsel weitaus flexibler. Das Herz ist ein Omnivore, was seinen Brennstoff angeht, aber es hat eine klare Präferenz. In Ruhe, also den grössten Teil des Tages, deckt der Herzmuskel seinen enormen Energiebedarf nicht hauptsächlich aus Zucker. Stattdessen verbrennt er vorzugsweise Fettsäuren. Eine Analyse in der Apotheken Umschau bestätigt: Das Herz verbrennt in Ruhe zu etwa 70% Fettsäuren als Energiequelle.

Diese Tatsache hat weitreichende Implikationen. Eine Ernährung, die ständig hohe Mengen an Kohlenhydraten und Fruktose liefert, zwingt den Körper in einen permanenten „Zuckerverbrennungsmodus“. Der Blutzuckerspiegel ist chronisch erhöht, die Insulinausschüttung ist hoch, und die Fähigkeit des Körpers, auf seine Fettreserven als Energiequelle zuzugreifen, wird blockiert. Diesen Zustand nennt man metabolische Inflexibilität. Das Herz wird dadurch gezwungen, vermehrt Glukose zu verbrennen, was für es eine weniger effiziente und „unsauberere“ Form der Energiegewinnung darstellt, die mehr oxidativem Stress erzeugt.

Eine Ernährung, die den Zuckerkonsum (einschliesslich Fruktose) reduziert und auf gesunde Fette und Proteine setzt, trainiert den Körper hingegen, wieder effizient Fett zu verbrennen. Dieser Zustand der metabolischen Flexibilität ist der natürliche und gesündeste Zustand für unseren Körper. Wenn der Körper gut darin ist, Fettsäuren zu mobilisieren und zu verbrennen, versorgt er das Herz optimal mit seinem bevorzugten Treibstoff. Das Herz arbeitet effizienter, und der gesamte Organismus profitiert von stabilen Energieleveln und geringeren Entzündungswerten.

Die bewusste Reduktion von schnell verfügbarem Zucker aus Obst ist somit nicht nur eine Entlastung für die Leber, sondern auch ein direktes „Trainingsprogramm“ für einen effizienteren Herzstoffwechsel. Sie bringen Ihrem Herzen bei, wieder auf seinen Lieblingstreibstoff zuzugreifen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Kontext ist entscheidend: Nicht das Obst selbst, sondern seine Verarbeitungsform (Saft, Trockenobst) und die Kombination (allein vs. mit Protein/Fett) bestimmen seine metabolische Wirkung.
  • Fruktose wird zu Fett: Überschüssiger Fruchtzucker wird in der Leber direkt in Triglyceride (Fett) umgewandelt und fördert gefährliches Bauchfett und eine Fettleber.
  • Qualität vor Quantität: Alte, am Baum gereifte Obstsorten enthalten deutlich mehr schützende Polyphenole als moderne, auf Süsse gezüchtete Supermarktware.

Warum ist das Bauchfett für Ihr Herz gefährlicher als das Gesamtgewicht?

In der medizinischen Beurteilung von Gesundheitsrisiken hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden: Weg vom alleinigen Fokus auf das Körpergewicht oder den BMI, hin zur entscheidenden Bedeutung der Fettverteilung. Das Fett, das sich direkt unter der Haut an Hüften und Oberschenkeln befindet (subkutanes Fett), ist relativ harmlos. Die wahre Gefahr geht vom viszeralen Fett aus – dem Fett, das sich tief in der Bauchhöhle ansammelt und die inneren Organe wie Leber, Darm und Bauchspeicheldrüse umgibt.

Dieses Bauchfett ist kein passiver Energiespeicher. Es ist ein hochaktives endokrines Organ, das eine Vielzahl von entzündungsfördernden Botenstoffen (Zytokine) und Hormonen produziert. Diese Substanzen gelangen direkt in die Leber und den Blutkreislauf und tragen massgeblich zur Entstehung von Insulinresistenz, Bluthochdruck, gestörten Blutfettwerten und chronischen Entzündungen im ganzen Körper bei. Es ist der Motor hinter dem sogenannten Metabolischen Syndrom. Laut Daten des Robert Koch-Instituts sind in Deutschland bereits 34 Prozent der Erwachsenen betroffen von dieser „bauchbetonten Adipositas“.

Hier schliesst sich der Kreis zur Fruktose. Die bereits beschriebene De-novo-Lipogenese in der Leber – also die Umwandlung von Fruchtzucker in Fett – ist einer der Haupttreiber für die Ansammlung von viszeralem Fett. Ein hoher Fruktosekonsum füttert also direkt dieses gefährliche, stoffwechselaktive Fettgewebe. Deshalb kann eine Person, die laut BMI normalgewichtig ist, aber einen deutlichen Bauchansatz hat („skinny fat“), ein höheres Herz-Kreislauf-Risiko haben als jemand mit höherem Gewicht, dessen Fett sich an den Hüften verteilt.

Sie können Ihr persönliches Risiko einfach selbst einschätzen. Messen Sie Ihren Taillen- und Hüftumfang und berechnen Sie das Taille-Hüft-Verhältnis (WHR). Die AOK gibt klare Grenzwerte vor: Für eine günstige Prognose sollten die Werte unter den Grenzwerten liegen. Laut einer Analyse der Krankenkasse gelten bei Männern Werte ab 0,9 und bei Frauen ab 0,85 als gesundheitlich bedenklich.

Die Erkenntnis, dass die Fettverteilung wichtiger ist als das Gesamtgewicht, ist ein entscheidender Schritt, um Ihr persönliches Risiko korrekt einzuschätzen und gezielte Massnahmen zu ergreifen.

Um Ihr Herz wirksam zu schützen, ist die Reduzierung des Bauchfetts das oberste Ziel. Eine der effektivsten Strategien hierfür ist die konsequente Reduktion von schnell verfügbarem Zucker, insbesondere Fruktose aus Säften, Smoothies und übermässig süssem Obst.

Geschrieben von Sabine Weber, Diplom-Oecotrophologin und zertifizierte Ernährungsberaterin (DGE) mit Schwerpunkt auf kardiovaskuläre Prävention. Seit 15 Jahren berät sie Patienten mit Fettstoffwechselstörungen, Adipositas und Diabetes in eigener Praxis.